Abgasskandal erreicht Wohnmobilbranche

Der Abgasskandal beschäftigt seit mehr als fünf Jahren die Gerichte. Bislang standen vor allem Fahrzeuge der Hersteller Volkswagen, Seat, Skoda, Audi, Porsche und Mercedes im Mittelpunkt. Nunmehr geraten nach jahrelangen Gerüchten verstärkt auch diverse Wohnmobile und Fahrzeuge von Fiat und Iveco in den Fokus.

In Deutschland sind voraussichtlich mehr als 200.000 Wohnmobile und Fahrzeuge von Fiat und Iveco von Abgasmanipulationen betroffen. Es haben bereits Durchsuchungen in mehreren Ländern stattgefunden. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main ermittelt derzeit wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Betruges gegen mehrere Verantwortliche der Auto Konzerne Fiat Chrysler Automobiles N.V., Case New Holland Industrial N.V. u Iveco Magirus AG. Polizei und Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main haben Neuwagenkäufer und Tageszulassungskäufer der Marken Fiat, Jeep, Alfa Romeo und Iveco aufgefordert, sich als Zeugen zu melden.

In Verdacht stehen Motoren der Baujahre 2014 bis 2019. Betroffen sein sollen sowohl Fahrzeuge mit der Euro-Norm 5 als auch mit der Euro-Norm 6. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt insbesondere wegen folgender Motoren: 1,3 Liter Multijet, 1,3 Liter 16V Multijet, 1,6 Liter Multijet, 1,6 Liter, 2,0 Liter Multijet, 2,0 Liter, 2,2 Liter Multijet II, 2,3 Liter, 2,3 Liter Multijet, 3,0 Liter.

Insbesondere das Fahrzeug Fiat Ducato, das als Basisfahrzeug von Wohnmobilen diverser Wohnmobilhersteller dient, ist Gegenstand der Untersuchungen. Es besteht der Verdacht, dass unzulässige Abschalteinrichtungen im Emissionssystem betroffener Dieselfahrzeuge installiert wurden. Die Abschalteinrichtungen sollen dafür sorgen, dass die Grenzwerte für den Stickstoffdioxidausstoß nur auf dem Prüfstand eingehalten werden. Im normalen Betrieb des Fahrzeuges auf der Straße hingegen soll die Abgasreinigung weitgehend abgeschaltet werden. Eine deratige Abschalteinrichtung war schon VW zum Verhängnis geworden und führte zu erheblichen Bussgeldern und einer Verurteilung durch den Bundesgerichtshof.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt weist darauf hin, dass Fahrzeuge mit einer derartigen Abschalteinrichtung auf dem gemeinsamen Markt nicht genehmigungsfähig seien, weswegen Kunden Fahrverbote oder Stilllegungen drohen.

Die Deutsche Umwelthilfe hat bereits zwei Wohnmobile auf Basis des Fahrzeugs Fiat Ducato begutachtet. Bei den Untersuchungen wurden bis zu 10-fache Überschreitungen des Euro 5 Grenzwertes für NOx im realen Straßenbetrieb bei zwei Wohnmobilen gemessen. Bei den untersuchten Wohnmobilen handelt es sich um einen Fiat Ducato 150 Multijet, Pilote G700G mit Erstzulassung Mai 2016, zugelassen nach Euro 5 sowie einen Fiat Ducato 150 Multijet, Dethleffs T7150 mit Erstzulassung Mai 2015, ebenfalls zugelassen nach Euro 5.

Die Anschaffungskosten für ein Wohnmobil liegen schnell bei 50.000,00 € oder mehr. Der Abgasskandal bei VW hat aufgezeigt, dass Fahrverbote und Stilllegungen drohen, insbesondere aber auch der Wiederverkaufswert der Fahrzeuge erheblich beeinträchtigt werden kann. Den Eigentümern tausender Wohnmobile drohen nun neben Fahrverboten und Stilllegungen der Fahrzeuge massive Wertverluste der Fahrzeuge.

Bei entsprechendem Nachweis vorsätzlicher und sittenwidriger Abgasmanipulationen steht den Betroffenen Schadensersatz gegenüber den Herstellern zu. Je nach Einzelfall kommen auch Ansprüche gegenüber den Verkäufern der Wohnmobile in Betracht. Den Verkäufern kann zwar in aller Regel nicht der Vorwurf einer Täuschung gemacht werden, allerdings kommen vertragsrechtliche Ansprüche in Betracht, da der Bundesgerichtshof das Vorliegen einer illegalen Abschalteinrichtung als Sachmangel bewertet.